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Hund adoptieren: Der vollständige Ratgeber für Deutschland (2025)

14. Juni 202612 Min. Lesezeit

Alles, was du wissen musst, bevor du einen Hund aus dem Tierheim adoptierst — Schritt für Schritt vom ersten Besuch über Schutzgebühr, Unterlagen bis zur Eingewöhnungszeit.

Warum einen Hund aus dem Tierheim adoptieren?

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 350.000 Tiere in Tierheime aufgenommen — Hunde, Katzen, Kaninchen, Vögel und viele mehr. Allein rund 65.000 davon sind Hunde. Die meisten von ihnen sind nicht krank oder verhaltensauffällig — sie sind einfach das Opfer von veränderten Lebensumständen ihrer früheren Besitzer: Umzüge, Allergien, Trennung, Krankheit, finanzielle Notlage.

Wenn du einen Hund aus dem Tierheim adoptierst, rettest du nicht nur diesem Tier das Leben. Du schaffst auch Platz für ein weiteres Tier in Not — und du unterstützt die ehrenamtliche und gemeinnützige Arbeit des Tierheims. Gleichzeitig bekommst du einen Begleiter, den du bereits vor der Adoption kennenlernen und einschätzen kannst. Das ist ein enormer Vorteil gegenüber dem Kauf eines Welpen, dessen späterer Charakter noch völlig unbekannt ist.


Schritt 1: Deine Lebenssituation realistisch einschätzen

Bevor du das erste Tierheim besuchst, solltest du dir ehrlich beantworten, ob ein Hund zu deinem Leben passt. Hunde brauchen täglich 2–4 Stunden aktive Zeit — Gassi gehen, spielen, trainieren. Dazu kommen Tierarztbesuche, Urlaubsplanung und monatliche Kosten von mindestens 150–300 €.

Fragen, die du dir stellen solltest:

  • Bin ich bereit, mindestens 10–15 Jahre Verantwortung für dieses Tier zu übernehmen?
  • Habe ich tagsüber jemanden, der den Hund betreut — oder bin ich in der Lage, ihn mitzunehmen?
  • Erlaubt mein Vermieter die Hundehaltung? (Schriftliche Bestätigung einholen)
  • Kann ich die laufenden Kosten realistisch tragen?
  • Sind alle Personen im Haushalt einverstanden?

Diese Fragen klingen trivial — aber Tierheime sind voll mit Hunden, die abgegeben wurden, weil ihre Besitzer vorher nicht ehrlich mit sich waren.


Schritt 2: Das richtige Tierheim finden

Nicht alle Tierheime sind gleich. Es gibt große städtische Einrichtungen mit eigenem Tierarzt, kleine Vereine mit 20 Tieren und ehrenamtlichen Helfern, und spezialisierte Rettungsorganisationen für bestimmte Rassen oder Auslandstiere.

Nutze das Tierheim-Verzeichnis auf tierheimstern.de, um Tierheime in deiner Stadt oder deinem Umkreis zu finden. Achte dabei auf:

  • Öffnungszeiten: Viele Tierheime haben eingeschränkte Besuchszeiten — ruf vorher an
  • Besuchsmöglichkeiten: Bietet das Tierheim Gassi-Gehen zum Kennenlernen an?
  • Bewertungen: Wie gehen die Mitarbeiter mit Tieren und Besuchern um?
  • Transparenz: Informiert das Tierheim offen über Vorgeschichte und Gesundheit der Tiere?

Schritt 3: Der erste Besuch — worauf du achtest

Der erste Besuch im Tierheim sollte kein Spontanausflug sein. Gehe vorbereitet hin und bringe alle Personen mit, die später mit dem Hund zusammenleben werden — inklusive Kinder.

Im Gespräch mit dem Personal

Die Mitarbeiter kennen ihre Tiere gut. Frage gezielt:

  • Wie lange ist der Hund schon im Tierheim?
  • Was ist über seine Vorgeschichte bekannt?
  • Wie verträgt er sich mit anderen Hunden, Katzen, Kindern?
  • Kann er allein bleiben? Wie lange?
  • Hat er Angst vor bestimmten Dingen (Lärm, Männer, Autos)?
  • Welche Grundkommandos kennt er?
  • Gibt es bekannte Gesundheitsprobleme?

Das Kennenlernen mit dem Hund

Viele Tierheime bieten Gassi-Gehen als Erstkennenlernen an. Nutze diese Chance — das Verhalten eines Hundes auf dem Tierheimgelände unterscheidet sich oft stark von seinem Verhalten draußen. Beobachte:

  • Kommt er neugierig auf dich zu oder weicht er aus?
  • Lässt er sich anfassen (Bauch, Pfoten, Ohren)?
  • Wie verhält er sich an der Leine — zieht er stark?
  • Reagiert er auf deinen Namen oder andere Stimuli?

Wichtig: Verliebe dich nicht beim ersten Besuch. Plane mindestens zwei Besuche, bevor du eine Entscheidung triffst. Das Tierheim wird das verstehen und begrüßen.


Schritt 4: Der Adoptionsvertrag (Schutzvertrag)

Jedes seriöse Tierheim schließt vor der Übergabe einen Schutzvertrag ab. Dieser ist kein Kaufvertrag — der Hund ist kein Eigentum im klassischen Sinne, sondern ein Lebewesen, dessen Wohlbefinden vertraglich gesichert wird.

Was der Schutzvertrag typischerweise enthält:

  • Schutzgebühr (150–350 € für Hunde, je nach Tierheim und Tier)
  • Haltungsbedingungen (Wohnung, Garten, Alleinzeiten)
  • Rückgaberecht: Bei Problemen kann das Tier immer zurückgebracht werden
  • Verpflichtung zur tierärztlichen Versorgung
  • Eventuell ein Hausbesuch durch das Tierheim innerhalb der ersten Wochen
  • Kontrollrecht des Tierheims

Was in der Schutzgebühr enthalten ist:

Die Schutzgebühr klingt nach viel — aber sie deckt in der Regel ab:

  • Kastration (Wert: 150–400 €)
  • Grundimpfungen (Wert: 80–150 €)
  • Mikrochip und TASSO-Registrierung (Wert: 30–60 €)
  • Tierärztliche Erstuntersuchung
  • Entwurmung und Parasitenbehandlung

Damit ist die Schutzgebühr fast immer günstiger als diese Einzelleistungen separat.


Schritt 5: Die Heimfahrt und erste Stunden

Die Heimfahrt ist für den Hund stressig — neue Gerüche, neue Geräusche, kein vertrautes Umfeld. Empfehlungen:

  • Bringe eine Transportbox oder eine zweite Person mit, die hinten sitzt
  • Nehme eine Decke oder ein Handtuch mit, das nach dem Tierheim riecht — das gibt Sicherheit
  • Fahre direkt nach Hause ohne Umwege oder Besuche
  • Halte die ersten Stunden ruhig — kein Besuch, keine Aufregung

Schritt 6: Die Eingewöhnungsphase — die Regel der 3

Erfahrene Tierheimmitarbeiter kennen die "Regel der 3":

Zeitraum Was passiert
Erste 3 Tage Hund ist überwältigt, zieht sich zurück oder testet Grenzen
Erste 3 Wochen Routine etabliert sich, erste Persönlichkeitsmerkmale zeigen sich
Erste 3 Monate Echter Charakter des Hundes wird sichtbar, er fühlt sich sicher

Was in der Eingewöhnung hilft:

  • Feste Routinen: Gleiche Gassi-Zeiten, gleiche Futterzeit — Vorhersehbarkeit gibt Sicherheit
  • Eigener Rückzugsplatz: Hundekorb oder Decke, die dem Hund gehört
  • Wenig Besuch: Halte die ersten zwei Wochen ruhig — kein Besuch, keine Reisen
  • Positive Verstärkung: Lobe konsequent gutes Verhalten, ignoriere schlechtes
  • Hundeschule: Empfohlen ab der zweiten Woche — schafft Struktur und Bindung

Kosten im ersten Jahr: Realistische Übersicht

Posten Einmalig Jährlich
Schutzgebühr 150–350 €
Erstausstattung (Leine, Korb, Napf, Box) 150–400 €
Tierarzt: Routine + Impfauffrischung 200–500 €
Futter (Qualitätsfutter) 500–1.500 €
Hundehaftpflicht 40–100 €
Hundesteuer (je nach Stadt) 50–200 €
Hundeschule 100–400 €
Gesamt Jahr 1 ~1.500–3.500 €

Häufige Irrtümer über Tierheim-Hunde

Irrtum 1: "Tierheimhunde sind kaputt oder haben Probleme"
Falsch. Die meisten Tierheimhunde sind normal sozialisiert und wurden aus sachlichen Gründen abgegeben. Viele Hunde kommen aus Erbschaftsfällen, Umzügen ins Ausland oder nach einer Trennung.

Irrtum 2: "Ich bekomme keine reinrassigen Hunde im Tierheim"
Falsch. Laut Deutschem Tierschutzbund sind rund 20–30 % der Tierheimhunde reinrassig. Labrador, Schäferhund, Husky, Boxer — alle sind regelmäßig im Tierheim.

Irrtum 3: "Das Tierheim behält Informationen über den Hund zurück"
Seriöse Tierheime tun das nicht. Sie sind gesetzlich verpflichtet, bekannte Gesundheits- und Verhaltensinformationen weiterzugeben.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich einen Hund adoptieren, wenn ich in einer Mietwohnung lebe?
Ja — sofern dein Vermieter Hundehaltung erlaubt. Hol dir eine schriftliche Bestätigung und zeige sie dem Tierheim. Ein generelles Haustierverbot im Mietvertrag ist übrigens oft unwirksam — frag einen Mieterrechtsverein.

Wie lange dauert der Adoptionsprozess?
Typischerweise 1–4 Wochen. Manche Tierheime machen einen Hausbesuch, andere entscheiden nach einem ausführlichen Gespräch.

Was passiert, wenn der Hund nicht in meinen Haushalt passt?
Seriöse Tierheime nehmen den Hund immer zurück — ohne Diskussion. Im Schutzvertrag ist das explizit geregelt.

Darf ich den Hund nach der Adoption umbenennen?
Ja, das ist vollkommen in Ordnung — vor allem wenn der Name mit negativen Erfahrungen verbunden ist. Hunde lernen neue Namen schnell.

Brauche ich besondere Kenntnisse für einen Tierheimhund?
Nicht zwingend. Das Personal empfiehlt dir ein Tier, das zu deiner Erfahrung passt. Als Ersthundebesitzer bekommst du einen ruhigeren, bereits ausgebildeteren Hund — keinen Problemhund.

Kann ich einen Hund auch adoptieren, wenn ich einen Garten habe?
Ja, das ist ein Vorteil. Manche Hunde brauchen zwingend Auslauf (große Rassen, ehemalige Arbeitshunde) — ein Garten wird positiv bewertet.

Was kostet ein Welpe im Tierheim?
Welpen sind im Tierheim seltener als erwachsene Hunde. Die Schutzgebühr liegt typischerweise bei 250–400 €, inklusive Erstimpfungen.


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TS

tierheimstern.de Redaktion

Redaktionell geprüft · 14. Juni 2026

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